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So verdreht wie diese Einleitung, kommt einem heutzutage manches vor. Manches ist aber auch wirklich 'ein wenig' verdreht. So, zum Beispiel die treffende Charakterisierung der landauf, landab stattfindenen Proben vieler Bläsercorps, oder?
Als Jäger schmücke ich mich gern -natürlich- mit fremden Federn: Erpellocke, Malerfeder, Häherschwinge, Adlerflaum. Alles, was man sich an den Hut stecken kann! Aber, Texte klauen, das tue ich nicht. Daher freue ich mich, von  Ulli Wehner (ehem. Leiter der Musikschule Bad Königshofen und Leiter der Jagdhornbläser Bad Königshofen) die Erlaubnis bekommen zu haben, das folgende hier zu veröffentlichen. Ich danke Herrn Ulli Wehner sehr dafür, und auch Martin Geyer, dem Herausgeber des monatlichen "Hornbriefes", der mir die Erlaubnis vermittelt hat. Siehe auch:
www.parforcehornmusik.de
Also, auch wenn Gedanken und Stil auf eine Seelenverwandschaft schließen lassen, es stammt, leider, aus fremder Feder:

Die Probenarbeit mit der Jagdhornbläsergruppe - Versuch einer Analyse

Ulli Wehner


Die „schnellste“ Probe
Man stellt fest, es sind zu wenig Interessenten da.

Bier her – Karten raus – das wars.

Die „schnelle“ Probe
Viermal Begrüßung ohne vorheriges Einblasen. Bis auf P 2 sind alle ruck-zuck platt.

Bier her – Karten raus – das wars.

Die „Hitparaden“- Probe
Auf Einblasen wird wegen der vorgerückten Stunde wie fast immer verzichtet.
Wöchentlich gleiches Programm:
Begrüßung – Hirsch tot – Sau tot – Reh tot – Fuchs tot – Jägermarsch Nr. 1 – 4, dann Jagd vorbei und Halali. Bei „Auf, auf ...“ dünnt sich Fürst Pless 1 verdächtig aus, dafür zeigen P1 und P2 beim Solo eindrucksvoll, „wo der Hammer“ hängt.
Anschiss vom Hornmeister, dass man nie zu einem neuen Stück käme, verlegenes Hornausleeren der Pless 1 Bläser, bestätigendes Nicken bei Parforce 1 und 2; Pless 2 hält sich mit Meinungsbekundungen strategisch klug zurück, denn gleich heißt es:

Bier her – Karten raus – das wars.


Die „Diskussions“ - Probe
Egal was der Hornmeister vorschlägt - bevor es ans Blasen geht werden endlose (und fruchtlose) Diskussionen geführt. Fast jedes Stück ist angeblich immer oder auch:
„Zu hoch“, „zu schwer“, „zu lang“, „zu kurz“, „muss doch nicht sein“, „nervt total“, „immer nur, weil die Stelle im Parforce 1 so toll ist, müssen wir das x-mal blasen“. „haben wir noch nie bei einem Auftritt gebraucht“, „andere Gruppen können das doch auch nicht“, „bis zum Wettbewerb ist noch lange hin“, usw., usw., usw., …

Bier her – Karten raus – das wars.


Die „Macht’s doch was ihr wollt Probe“
Bekannte Stücke und Signale werden auf Zuruf der begeisterten Jagdhornbläserschar so lange wahllos nacheinander geblasen, bis Pless 1 an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gerät. Alte Gräben werden nun aufgerissen, denn Parforce 1 will noch einmal das „Hohe Wecken“, worauf Pless 2 unbedingt auf „Fröhliche Runde“ plädiert, um sich an der Parforcehorneinleitung zu ergötzen.
Das kann natürlich nicht ungesühnt bleiben und so folgt prompt der Wunsch von Parforce 2 nach dem „Alpenjäger“ („wolln doch mal sehen, was die Plessler noch draufhaben“). In Kürze ist der Ansatz zum blauroten Ring mit weißer Einlage gestampft, Schweiß rinnt, erste Drohgebärden. Deshalb: „Schluss für heute“

Bier her – Karten raus – das wars.


Die „akademische“ – Probe
Das Anstrengendste daran ist das Stehen.
Kaum endet der vierzigminütige Vortrag der Hornmeisterin/des Hornmeisters, wird die Pause angekündigt. Vorher schnell noch ein „Hirsch tot“, dessen Interpretation mit der eben überzeugend vorgetragenen Stilistiklehrstunde fast nichts gemein hat, da der Mund trocken und der Ansatz stocksteif ist.
„Macht nichts!“
Nach der Pause viel Kluges des musikalischen Leiters über dies und das, „man müsse bedenken“, „dürfe keinesfalls vergessen“ ...
Ein etwas besser als das „Hirsch tot“ klingendes „Auf Wiedersehen“ beendet die Probe.

Bier her – Karten raus – das wars.

 


 
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